Der dröhnend-laute Klang, den jeder einzelne rhythmische Schlag auf die Davul-Trommel zur Folge hatte, machte am Sonntag um die Mittagszeit ganz unzweideutig klar, wo genau im Homburger Stadtpark die Musik spielte. Und wo genau das deutsch-türkische Tulpenfest, das der türkische Elternbund traditionell mit Unterstützung der Stadt Homburg veranstaltet, bei strahlendem Sonnenschein seine zwölfte Auflage erlebte.
Die ungezählten engagierten Menschen hinter den 18 Ständen – und damit nach den Worten des Elternbund-Vorsitzenden Nurettin Tan „vier Stände mehr als im Vorjahr“ – zauberten dieses besondere Flair aus Kulinarik, Kultur, Kunsthandwerk und vor allem gelebter Gastfreundschaft auf das leuchtende Grün des Stadtparks. Sie schufen so exakt die Atmosphäre, die die Initiatoren Klaus Friedrich, Nurettin Tan und der zu Beginn der Reihe ebenfalls involvierte vormalige Homburger Ortsvertrauensmann Markus Emser vor über einem Jahrzehnt im Sinn hatten, als sie der Tulpe und auch der deutsch-türkischen Freundschaft dieses besondere Denkmal setzten.
Das Fest ist längst seinen Kinderschuhen entwachsen. „Es ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Homburg und darüber hinaus geworden und hat sich zu einem echten Aushängeschild für interkulturellen Dialog und das Zusammensein über kulturelle Grenzen, Generationen und Lebenswelten hinweg entwickelt“, bilanzierte Oberbürgermeister Michael Forster bei der offiziellen Eröffnung und dankte allen, „die sich seit so vielen Jahren engagieren“ – inkludiert in diese anerkennenden Worte waren auch die Mitarbeitenden des Baubetriebshofes und der Grünflächenabteilung bei der Stadt. Das Fest lebe seit jeher von der Begegnung mit- und dem Austausch untereinander, umschrieb der Verwaltungschef, der sich ganz besonders darüber freute, „dass wir es in diesem Jahr sogar geschafft haben, dass die Tulpen pünktlich zum Fest in voller Blüte stehen“.
Und noch etwas freute den OB. Die Tatsache nämlich, dass es das deutsch-türkische Tulpenfest seit ein paar Wochen auch in die Liste des immateriellen Kulturerbes des Saarlandes geschafft habe. „Das ist eine ganz spezielle Würdigung. Vor allem aber auch eine tolle Bestätigung und Belohnung für all jene, die sich vom ersten Tag an dieser besonderen Form des Dialogs verschiedener Nationen gewidmet haben“, sagte Forster und dankte insbesondere den Festbegründern dafür, „dass Ihr über all die Jahre durchgehalten und dass Ihr in Euren Anstrengungen nie nachgelassen habt.“
Forsters Dank ging im selben Moment auch an die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot (SPD), in deren Ministerium das immaterielle Kulturerbe beheimatet ist und aus deren Händen die Initiatoren in der zweiten Mai-Woche die entsprechende Urkunde für die Auszeichnung erhalten werden – nachdem sie sich zuvor bereits auf Initiative Forsters schon im „Goldenen Buch“ der Stadt Homburg verewigt haben.
Die Ministerin - neben dem türkischen Generalkonsul für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Mehmet Akif Inam, Schirmherrin des jüngsten Festes und mit dem Gast aus Mainz sowie dem OB für das Anschneiden der traditionellen Torte zuständig - hatte in ihrer Begleitung auch Saar-Finanzminister Jakob von Weizsäcker (SPD) und ganz sichtlich Spaß daran, schon lange vor der eigentlichen, mit den Nationalhymnen der beiden Länder offiziell begonnenen Eröffnung gut gelaunt zu türkischen Weisen mit all den anderen Ehrengästen vor der Bühne zu tanzen. In die muntere Armada mischten sich in der Folge neben den bereits genannten unter anderem auch Landrat Frank John (SPD), CDU-Landtagsfraktionschef Stephan Toscani, die Landtagsabgeordnete Sevim Kaya-Karadag (SPD), Bürgermeister Manfred Rippel (SPD), die Beigeordneten Nathalie Kroj und Peter Fuchs (beide CDU), die Stadtratsfraktionsvorsitzenden Michael Rippel (CDU) und Barbara Spaniol (Die Linke), der Erbacher Ortsvorsteher Markus Uhl (CDU) und unzählige weitere.
Für Streichert-Clivot war dieses Opening „und die Erfahrung, dass ich zum ersten Mal schon mit Musik am Auto abgeholt worden bin“ der beste Beleg dafür, „dass Kultur davon lebt, dass Menschen zusammenkommen“. Nach ihren Worten steht das deutsch-türkische Tulpenfest für die lange, vielfältige und lebendige Gemeinschaft zwischen Deutschland und der Türkei. Da ist es naheliegend, dass sie in Richtung Oberbürgermeister Michael Forster die Bitte aussprach, „dass die Stadt doch dafür sorgen möge, dass dieses Fest nie mehr aus dem Kalender verschwindet.“
Diesem Wunsch schloss sich der Generalkonsul („vielleicht wird Homburg ja zur Stadt der Tulpen“) nur allzu gerne an, der in seiner kurzen Ansprache ebenfalls insbesondere die Arbeit derjenigen lobte, die die Hauptlast für das fröhliche Miteinander auf ihren Schultern tragen – Nurettin Tan und Klaus Friedrich an vorderster Stelle.
Die beiden hatten kurz nach 13 Uhr als erste das Wort ergriffen – Tan für die Begrüßung der Ehrengäste, Friedrich für einen kurzen Überblick über die Geschichte des Festes, das er nicht ohne Stolz als „weltweit erstes deutsch-türkisches Tulpenfest“ deklarierte. An die Anfänge im Jahr 2013 erinnernd, sagte Friedrich, dass die Welt damals berechenbarer gewesen sei, inzwischen sei aus Annäherung sogar an vielen Stellen Abgrenzung geworden. Da sei es schön, zu beobachten, dass eine kleine Tulpe bisweilen mehr bewege, als viele große Projekte der Politik.
Bild 1: Tanz, Musik und gute Laune: Beim deutsch-türkischen Tulpenfest im Homburger Stadtpark feiern Gäste ausgelassen und ließen sich von rhythmischen Klängen zum gemeinsamen Tanzen mitreißen.
Bild 2: Oberbürgermeister Michael Forster (r.) betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des Tulpenfests als festen Bestandteil des kulturellen Lebens.
Bild 3: Klaus Friedrich (l.) und Nurettin Tan (r.) erinnerten in ihren Ansprachen an die Anfänge des Tulpenfests und hoben hervor, wie sich die Veranstaltung zu einem lebendigen Fest der Begegnung entwickelt hat,
Bild 4: (v. l. n. r.) Oberbürgermeister Michael Forster, Ministerin Christine Streichert-Clivot und Generalkonsul Mehmet Akif Inam beim feierlichen Tortenanschnitt.
Bild 5: Veranstalter und Ehrengäste beim großen Dankeschön auf der Bühne des Stadtparks Homburg.
Bild 6: Vielfältiges Angebot beim Tulpenfest: An den zahlreichen Ständen – wie hier mit traditionell zubereitetem türkischem Mokka – konnten die Besucherinnen und Besucher kulinarische Spezialitäten entdecken und genießen.