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Michael Forster: „Der Rückzug schafft Klarheit“

Die aktuelle Ankündigung des Unternehmens Deutsche Glasfaser (DG), sich nun komplett vom noch vor wenigen Jahren mit der Stadtverwaltung verabredeten und in einem Kooperationsvertrag festgehaltenen Breitband-Ausbau in der Stadt Homburg zurückzuziehen, hat im Homburger Rathaus keine Irritationen ausgelöst.

„Die Entscheidung war im Kern erwartbar, sie überrascht uns nicht“, kommentierte Oberbürgermeister Michael Forster das ihm in dieser Woche auf dem Postweg zugegangene Schreiben aus Borken in Nordrhein-Westfalen. „Immerhin“, so der OB „haben wir jetzt Klarheit und müssen uns nicht länger mit leeren Versprechungen hinhalten lassen“.

Beides gelte im Übrigen auch für die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt, denen sich Forster zuvorderst verpflichtet fühlt. Auch diese wüssten nun nach dem Ende der unwürdigen Verzögerungstaktik, die einzig das Unternehmen zu verantworten habe, woran sie seien. Forster sagt mit Verweis auf das ihm vorliegende Schreiben: „Die bisher eingegangenen Kundenaufträge sind damit hinfällig und werden von Deutsche Glasfaser nicht umgesetzt. Den Kunden entstehen somit auch keinerlei Verpflichtungen gegenüber Deutsche Glasfaser.“

Für den Verwaltungschef hatten schon im November des vergangenen Jahres viele Anzeichen darauf hingedeutet, dass die Deutsche Glasfaser ihre Ausbaupläne in Homburg nicht beziehungsweise wenn überhaupt nur mit großer zeitlicher Verzögerung umsetzen würde.

Auslöser waren entsprechende Informationen eines Unternehmensvertreters in einer nichtöffentlichen Ausschusssitzung des Homburger Stadtrates. Seinen Unmut darüber hatte Forster in der Folge deutlich zum Ausdruck gebracht. Er hatte schon damals darauf abgehoben, dass die Stadtspitze die von Unternehmensseite zu verantwortende Situation nicht länger tatenlos hinnehmen wolle. „Wir dürfen diesen Stillstand nicht akzeptieren, denn ein solches Szenario kann für unsere Stadt keine Zukunftsperspektive sein“, kommentierte der Verwaltungschef mit Blick darauf, dass in den weit überwiegenden Bereichen der Stadt Homburg der angekündigte Breitbandausbau auch viele Monate nach einem sogenannten Markterkundungsverfahren und daraus resultierenden potenziellen Verträgen nicht vorangekommen war, weil die Deutsche Glasfaser (DG), die vor Jahren einen Kooperationsvertrag mit der Stadt abgeschlossen hatte, ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen war.

Forster hatte in diesem Zusammenhang die Aufnahme von Gesprächen mit anderen Telekommunikationsunternehmen angekündigt, in denen in Erfahrung gebracht werden solle, inwieweit und innerhalb welcher Zeitschiene Mitbewerber der Deutschen Glasfaser den so genannten eigenwirtschaftlichen Ausbau der Breitbandtechnologie realisieren können. In der Folge fand unter anderem ein intensiver Austausch mit dem Unternehmen Deutsche Telekom statt.

„Im Nachhinein zeigt sich, wie sinnvoll dieser Schritt war“, sagt Forster heute, der zusammen mit Bürgermeister Manfred Rippel und Verwaltungsmitarbeitenden erst in der vergangenen Woche ein weiteres vertrauliches Gespräch mit einem Unternehmen geführt hat, das grundsätzlich Interesse am Glasfaser-Ausbau in Homburg zeigt.

„Homburg wird zu Recht als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort gesehen,“ sagt der Rathauschef. „Da können wir es keinesfalls hinnehmen, in der Frage dieser wichtigen Investition entgegen aller Zusagen nur deshalb hinten runter zu fallen, weil ein Unternehmen, in das wir unser Vertrauen projiziert haben und für das auch die Stadt mit einem sogenannten Letter of intend im besten Vertrauen auf Kompetenz und Know-how geworben hat, im laufenden Prozess seine strategische Planung ändert.“

Wiewohl Forster grundsätzliches Verständnis dafür hat, dass das aktuelle Marktumfeld mit hohen Zinsen, gestiegenen Kosten und knappen Baukapazitäten derzeit die gesamte Branche vor Herausforderungen stelle, gelte es, alternative Wege zu beschreiten, um damit auch auf die immer lauter werdende Kritik auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger zu reagieren.

Wenn ein Unternehmen erkennen lasse, dass es nicht mehr länger in der Lage sei, die vereinbarten Ziele, also den Ausbau der zuvor im Dialog definierten Bereiche zu leisten, dann müsse man im laufenden Prozess reagieren, macht Forster deutlich – lässt ansonsten die Argumentation des Unternehmens Deutsche Glasfaser im Wesentlichen aber unkommentiert.

Von Seiten des Unternehmens hatte es dazu in einer Presseverlautbarung geheißen: (…) Vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen hat Deutsche Glasfaser die Umsetzung des Glasfaserausbaus in Homburg vertiefend geprüft. Diese erneute Analyse hat ergeben, dass ein eigenwirtschaftlicher Ausbau unter den aktuellen Voraussetzungen nicht darstellbar ist. Die zu erwartenden Kosten übersteigen die ursprüngliche Kalkulationsgrundlage deutlich. Bereits im Vorfeld jedes Projekts führt Deutsche Glasfaser eine umfangreiche Analyse der technischen Machbarkeit sowie der Wirtschaftlichkeit durch. Zentrale Bestandteile sind dabei eine vorgelagerte Nachfragebündelung zur Ermittlung des lokalen Interesses sowie Maßnahmen zur genauen Baukostenkalkulation, etwa durch Befahrungen mit Mobile Mapping-Fahrzeugen. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Prüfung der Kostenstruktur unter Berücksichtigung von Preisentwicklung, Materialverfügbarkeit und Baukapazitäten (…) Deutsche Glasfaser sieht zum aktuellen Zeitpunkt keine Möglichkeit, den Netzausbau in Homburg eigenwirtschaftlich umzusetzen (…) .

Für den Homburger Oberbürgermeister ist dagegen klar: „Das Vorhalten einer Infrastruktur, die schnellen und sicheren Datentransfer ohne jegliche Einschränkung gewährleistet, ist für einen Wirtschaftsstandort unserer Güte ein Must-have!“ An dessen Realisierung werde die Stadtverwaltung weiterhin arbeiten.

 

  Veröffentlicht am: 13.08.2026 | Drucken